Die Poesie des Tötens von Effi Lind

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“Die Poesie des Tötens” von Andrea Fehringer und Thomas Köpf

Der erste Thriller, der jemals in meinem Bett gelandet ist. Ich lese meistens im Bett und das nachts, aber ich habe mich darauf verlegt, “Die Poesie des Tötens” tagsüber zu lesen. Ich habe den halben Roman an einem Nachmittag verschlungen.

Die Poesie des Tötens von Effi Lind

Das Töten

Ich wusste nicht, worauf ich mich eingelassen hatte. Dabei hätte ich es spätestens beim Prolog verstehen müssen. “Jemandem die Haut abzuziehen, ist erstaunlich einfach.” Wenn dieser Satz nicht die morbide Neugierde reizt. Die Geschichte bestätigte meine Vermutungen – es gibt in diesem Roman aufsehenerregende Morde zu entdecken. Noch mehr faszinieren mich aber die Beziehungen zwischen den Figuren.

Max und seine Frau Livia haben den Entführer ihrer Tochter eingeladen, in ihrem Haus zu wohnen. Er, Christoph Kleist, zwingt Max dazu, ihm eine Biographie zu schreiben. Ein Denkmal für sich selbst und die Morde, die er begeht.

Kleist breitet sich im Leben von Max und Livia aus wie ein Geschwür. Gleichzeitig zieht er, charmant und liebenswert wie er auftritt, deren Freunde auf seine Seite und sorgt dafür, dass sich das Paar in seinem eigenen Leben als Außenseiter fühlen muss. Durch den Fremdkörper Kleist durchlaufen die Figuren eine Entwicklung. Er sorgt dafür, dass zuvor verborgene Schattenseiten sichtbar werden. Diese Enthüllungen sind für mich das Highlight des Romans.

Die Poesie des Tötens

Autoren: Andrea Fehringer und Thomas Köpf

Verlag: Pro-Talk, Crime

Preis: 14, 90 Euro

Die Poesie

“Die Poesie” ist nicht zufällig in den Titel des Romans gerutscht. Sie ist ein ebenso großer Teil der Handlung wie das Töten. Auf der literarischen Ebene ringen Kleist und Max miteinander ums Überleben. Beim Schreiben führt Max einen Todeskampf, der ihn bis ans Ende seiner Kräfte treibt. Er schreibt jeden Satz in dem Wissen, dass das Leben seiner Tochter davon abhängt. Kleist inszeniert ein poetisches Spiel, bei dem er alle Betroffenen über ihre Grenzen hinaus zwingt. Die psychische Grausamkeit steht den kunstvoll inszenieren Morden dabei in nichts nach.

Für mich ist “Die Poesie des Tötens” ein lustvolles Wandeln in den Abgründen der menschlichen Phantasie. Der Thriller bedient die heimliche Sehnsucht, Gewalt und Sadismus aus der Zuschauerperspektive zu erleben. Die Handlung spitzt sich zu einem fast unerträglichen Höhepunkt zu, für ungeübte Thriller-Leser wie mich nur schwer auszuhalten. Trotzdem ist es unmöglich, diesen Roman nicht zu Ende zu lesen.

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