Gedankentexte

Nostalgie und meine Gameboys

Nostalgie trifft auf Faulheit. Wenn ich nicht arbeiten oder für die Uni recherchieren will, dann greife ich zu meinem alten Gameboy Color und spiele Pokemon. Jetzt ist es gesagt. Ich schäme mich ein bisschen, aber diese 8-bit-Musik bringt mich zurück in das Kinderzimmer meines 8-jährigen Ichs, als Zeit für mich noch keine greifbare Größe war, weil mir die Tage unendlich schienen. Damals dachte ich noch nicht daran, dass ich einmal erwachsen sein und mir den Kopf zerbrechen würde, was aus mir werden sollte.

Genau in den Situationen, in denen ich  Druck spüre, an meiner Zukunft zu arbeiten, reise ich zurück in meine heile Kinderwelt, wo die Zeit noch immer still steht.

Weil ich damals noch im Moment lebte, ich erinnere mich an diese vollen Augenblicke, in denen ich nur am Fensterbrett saß und auf die Bäume schaute, gebannt all die Farben aufsog. Ein Bild aus dem analogen Zeitalter, ich bin ohne Fernseher aufgewachsen.

Wenn ich die mächtigen Eindrücke in meiner Erinnerung betrachte, dann frage ich mich: Kann ich als erwachsene Frau noch genauso intensiv leben, wie ich es als Kind konnte? Jetzt, wo ich die ganze Verantwortung für mein Leben selbst trage, wo ich Wäsche waschen, kochen, arbeiten und lernen muss. Diese Unbeschwertheit scheint nur noch in einem anderen Leben zu bestehen, in dem Leben vor dem Erwachsensein.

Mir sind von damals nur Erinnerungsstücke geblieben, wie dieser Gameboy, der noch nicht einmal repräsentativ für meine Kindheit ist, weil ich die zum Großteil draußen verbracht habe.

Dennoch erinnert mich dieses Spielzeug an den unbeschwerten Umgang mit Zeit, den ich heute wohl Verschwendung nennen würde. Diese Leichtigkeit, jede Tätigkeit ist gleich viel wert, weil ich keine Dinge tun muss, die mich zu irgendetwas machen sollen oder mir Geld bringen.

Diese Zeit hallt noch in mir nach.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich auch als Erwachsene ein kindlich-volles Leben führen kann. Immer wieder tauche ich in Momente ab, wo diese Fülle wieder da ist, aber das geht nur bei Tätigkeiten ohne Hintergedanken, ohne den dringenden Wunsch, irgendetwas damit zu erreichen.

Darum werden der Gameboy und seine 8-bit-Musik mich noch lange begleiten. Als Erinnerung daran, dass das Leben mehr Fülle bietet, mehr Tiefe und mehr Erfahrungsschatz, als der Weg, auf den mich der Ehrgeiz treibt.

Was meint ihr, ist es möglich für immer so intensiv wie ein Kind zu leben?

Mehr zum genussvollen Leben im Augenblick hier.

Leave a Comment